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ich bin seit drei jahren magersüchtig. essgestört aber vermutlich schon länger. keine ahnung wann das anfing... verlief eher schleichend, aber so ist das halt.

ich hab mir das nicht ausgesucht. natürlich nicht. wer sucht sich schon aus, krank zu sein? man entscheidet sich ja auch nicht plötzlich, die grippe zu haben. ich würde viel dafür geben, gesund zu sein. aber dafür ist mir kontrolle viel zu wichtig.

ich will niemanden dafür verantwortlich machen, für meine krankheit schuld zu sein, außer mich vielleicht. das wäre nur dumm, weil ich dann anfangen müsste, ihn zu hassen. aber es fing schon ganz früher an, dass ich immer perfekt sein musste. meinem vater war eine zwei in der schule nie genug. der zweite platz bei den landesmeisterschaften im schwimmen war schlecht, ich hätte doch mehr trainieren können. und dann, vor zwei jahren, war ein ganz spezieller tag, ein ganz spezieller satz ausschlaggebend für meine drastische diät. "Isst du schon wieder?!" das war so heftig für mich. ich war geschockt, gelähmt, wahnsinnig. also fing ich an, abzunehmen. ich erlaubte mir fast nichts mehr, von einem tag auf den anderen. meine eltern belog ich, meine freunde belog ich, ich belog mich selbst. "nur noch ein paar kilo, dann ist alles wieder gut" sagte ich mir immer wieder. ich hatte nicht ein einziges mal einen fressanfall. denn das würde mich ja wieder unperfekt machen. unkontrolliert. schwach. also zwang ich mich jeden tag aufs neue, nichts zu essen. ich gewöhnte mich daran. gewöhnte meinen kopf an das hirngespinnst, dass essen eine sucht wäre, die ich zu bekämpfen hatte. ja, ich weiß, dass es ein hirngespinnst ist. ich bin mir meiner krankheit deutlich bewusst.

irgendwann konnte ich nicht mehr aufhören, ich hatte längst mein ziel überschritten, alle machten sich sorgen. zu dem zeitpunkt wog ich 48kg (175cm). ich hatte 26kg in drei monaten abgenommen. niemand erkannte mich wieder, ich war nicht mehr das mädchen, das jeder liebte, das überall dabei war, das so gut in der schule war. ich war jetzt ein mädchen, das lieber allein war, lieber in ihrem zimmer war als rauszugehen. das mädchen das sich selber ausschloss aus allem.

meine eltern telefonierten rum und ich hatte meine erste therapiestunde. ich wusste, ich bräuchte hilfe. also ging ich hin. zwei monate lang. in der zeit ging mein gewicht runter auf 43kg. in der zeit aß ich nur schwarzbrot. zwei am morgen, zwei am mittag und zwei am abend. jeden tag. zwei monate lang. was anderes erlaubte ich mir nicht. in der zeit um weihnachten rum, stabilisierte sich jedoch mein essverhalten einigermaßen. ich erlaubte mir torte. ich aß eine ganze portion nudeln beim italiener. die therapie half mir unglaublich.

doch ich nahm weiter ab. eine woche nach meinem geburtstag hatte ich dann die 41kg auf der waage. da wurde mir bewusst, wie erschreckend ich aussehen musste. mit einem BMI von 13. ich sagte meinen eltern am selben morgen, dass ich in die klinik möchte. gesund werden möchte. ich zog am folgenden tag ein.

weil ich mich selbst dazu entschlossen habe, gesund zu werden, ging alles genauso schnell, wie ich abgenommen hatte. mein therapeut und ich legten ein gewicht fest, mit dem ich entlassen werden konnte. 48kg. ich kämpfte und kämpfte. denn ich hab eingesehen, dass ich genauso unperfekt war, wie am anfang meiner diät. vielleicht sogar noch viel unperfekter. mein essverhalten hat sich rasendschnell wieder normalisiert. ich dachte nicht mehr drüber nach, was ich da aß oder wie viele kalorien es waren. ich wollte all das probieren, was ich mir all die monate verboten hatte. nach knapp drei monaten wurde ich dann also entlassen. happy, gesund, lebensfroh.

ich wurde wieder das mädchen, das jeder liebte.

dann, vor 2 jahren im sommer trennten sich meine eltern.mein vater hatte eine 20 jährige freundin. war schwer für mich, denn ich musste mich um meine mutter kümmern als wäre ich die mutter und sie das kind. aber ich schaffte alles, so wie ich immer alles schaffen musste.

ich durfte mich nicht mehr um mich kümmern, war ständig unter stress, hatte natürlich probleme mit meinem damaligen freund, konnte sie aber nicht lösen, denn meine mutter brauchte mich mehr. wir haben uns getrennt. und so merkte ich praktisch gar nicht, wie ich immer mehr zunahm.

im januar letzten jahres sagte mir mein vater nach einem großen streit dann, dass ich ein schrecklicher mensch wäre, der es nicht verdient hatte, seine tochter zu sein. ich brach den kontakt ab.

ich aß. nahm zu. redete ein halbes jahr lang nicht mit ihm.

ich fing eine diät an, die wieder außer kontrolle geriet. rief meinen therapeuten an, ging wieder zu gesprächen, das lieg ein halbes jahr lang so, dann war die "phase" vorbei.

jetzt sehne ich mich zurück. nach dem gefühl von kontrolle, stärke. nichts essen zu müssen, weil man es nicht braucht. ich weiß es ist falsch, aber ich kanns nicht abstellen, ich muss es wieder machen, ich brauche das gefühl so wahnsinnig.

Alter: 22
 

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Autoren: SOPHIE KINSELLA
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